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Aktuelles

Fest der Demokratie am 5. Juli 2025 in der Abtei Marienmünster

Erstelldatum07.07.2025

Impuls von Kreisheimatpfleger Hans-Werner Gorzolka

Stell dir vor, es gibt ein Fest der Demokratie und keiner geht hin, weil die Menschen Angst vor Repressalien haben und sich nicht mehr auf die Straße trauen.

Stell dir vor, es gibt keine unabhängige Presse, kein öffentlich-rechtliches Rundfunk- und Fernsehangebot mehr; denn wer unabhängig berichtet, gefährdet staatlich verordnete Meinung.

Stell dir vor, es gibt keine Freiheit der Wissenschaft und Forschung mehr; denn wer denkt ist unerwünscht und entlarvt Antidemokraten.

Stell dir vor, es gibt keine offene Kulturarbeit, denn freie Kultur hält Autokraten den Spiegel vor.

Meine Damen und Herren,
das sind keine apokalyptischen Alpträume eines KHP, das ist harte Realität, wie sie sich Tag für Tag um uns herum abspielt. Wir leben in disruptiven Zeiten; denn etwa ein Drittel unserer Bevölkerung neigt zu populistischen, rassistischen und diskriminierenden Ansichten.

92 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers und 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges scheinen viele Menschen penetrant geschichtsvergessen zu sein. Sie haben neue Sündenböcke gefunden und bedienen Ressentiments und Vorurteile, die wir glaubten, längst überwunden zu haben.

 

Margot Friedländer muss uns daher in lebhafter Erinnerung bleiben, die uns als Mahnung hinterlassen hat: „Genauso hat es damals angefangen.“

Und von US Sänger Bruce Springsteen stammt die markige Formel: Wenn die Zeit reif ist für einen Demagogen, kann man darauf wetten, dass er auftauchen wird.

 

Der kürzlich erschienene Verfassungsschutzbericht 2024 verschweigt nicht die Gefahren durch Islamisten, Linksextremisten und Reichsbürger - sieht aber eindeutig die größte Bedrohung unserer Demokratie durch gewaltbereite Rechtsextremisten.

 

Hinzu kommt, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger leider keine Vorstellung von Zukunft entwickeln außer Angst, Verwirrung, Verunsicherung, Neid, politischen Schnellschüssen und Parolen.

Selbstverständlich lässt sich immer etwas verbessern; aber auf keinen Fall dürfen wir einfachen Lösungen und Parolen nachlaufen, wie sie uns tagtäglich auf dem Silbertablett serviert und schmackhaft gemacht werden.

Angesichts latenter und unüberwindbar erscheinender Kriege, Krisen und Probleme vergessen wir zu oft das Wertvollste, was wir gerade im Kreis Höxter haben: das Miteinander, das Beieinander und das Füreinander, gemeinhin auch Solidarität oder auch Nächstenliebe genannt.

Zur Verbesserung der Zustände kann jeder von uns jeden Tag seinen ureigenen Beitrag leisten, indem wir Zivilcourage zeigen, indem wir uns zu Wort melden und indem wir unsere Demokratie gegen deren Feinde verteidigen.

Gerade wir im Ehrenamt leisten viel und trotz aller Bemühungen und Belastungen sollten uns dauerhaft verpflichtet fühlen zum Gemeinwohl und zu einer Gesellschaft beizutragen, die den Ansprüchen unseres Grundgesetzes gerecht wird.

Unser Grundgesetz ist geprägt von denen schrecklichen Eindrücken des Naziregimes. Daher gilt umso mehr: Nie wieder ist jetzt. 

Es tobt im Moment ein heftiger Kampf um die Gestaltung der Zukunft, wobei zahlreiche Akteure unterschiedlichster Pole für sich Vormachstellung und Deutungshoheit beanspruchen.

Das geht vom Geisterfahrer Trump, den US Technologie Cowboys, einem stetig nach rechts driftendem Europa hin zu chinesischen Weltmachtplänen, der Aggressivität Putins und den kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Die Rote Armee, die 1945 Auschwitz befreite, ist unter Putin zu einem Instrument einer lange in Europa nicht vorstellbaren Aggression geworden. Der russische Präsident lässt seit über drei Jahren die Ukraine angreifen und in Amerika legt Präsident Trump in seiner zweiten Amtszeit selbstherrlich und autoritär die Axt an die Wurzeln der dortigen Demokratie. Und auch im Nahen Osten werden Völker- und Menschenrechte permanent verletzt.

Diese Entwicklungslinien machen es vielen Menschen schwer über ihre Zukunft nachzudenken; denn sie kommt rasanter, massiver, bedrohlicher und weitreichender daher als je zuvor. Sie ist auch zunehmend komplexer, auch wenn Populisten immer wieder versuchen, mit einfachen Antworten an Macht und Einfluss zu gewinnen.

Obwohl einfache Lösungen im Trend liegen, dürfen Entscheidungsträger nicht darauf abfahren, sondern sie stehen vor der Aufgabe, die Zukunft möglichst proaktiv zu gestalten. Es gilt Unsicherheiten zu akzeptieren, Grauzonen auszuhalten und in einem dynamischen Umfeld Unzulänglichkeiten und Mängel in die Überlegungen einzubeziehen.

Wir leben in einer Transformationsphase, die einen Paradigmenwechsel im Denken und Handeln verlangt. Es geht deutlich weniger um Kontrolle, weil sich unsere Welt mit althergebrachten Mechanismen nicht mehr kontrollieren lässt, sondern es geht um Agilität und Widerstandskraft als zentrale Fähigkeiten.

So wird die Zukunft denen gehören, die bereit sind sich aktiv mit ihr zu beschäftigen; denn wir brauchen Menschen, die Zukunft nicht schicksalhaft hinnehmen, sondern sie klug und umsichtig gestalten.

Allerdings müssen wir erkennen, dass unsere Zukunft und unsere Freiheit nicht für alle Zeiten garantiert ist. Ein doppelter Epochenbruch, der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und der augenblickliche Wertebruch Amerikas markiert dieses Jahrzehnt.

Wir dürfen jedoch nicht nur auf andere zeigen, sondern müssen auch auf unser Land blicken, in dem extremistische Kräfte derzeit erstarken. Sie vergiften unsere Debatten, sie spielen mit den Ängsten und Sorgen der Menschen, sie hetzen Menschen gegeneinander auf und erwecken so alte böse Geister zu neuem Leben.

 

Es liegt an uns, ob wir frei bleiben wollen, ob wir unsere nach dem totalen moralischen Zusammenbruch 1945 errungenen Werte bewahren und schützen wollen oder ob wir populistischen Rattenfängern auf den Leim gehen.

Wenn andere um uns herum Demokratie, Freiheit und Recht einschränken, müssen gerade wir Deutschen sie verteidigen. Demokratie ist nie fertig, sie ist anstrengend und verlangt Engagement. Aber eine bessere Ordnung gibt es nicht.

Wir brauchen Vertrauen in uns selbst; denn niemand von außen wird uns zukünftig unsere Freiheit erhalten und schenken. Wir selbst müssen sie gegen Gegner von innen und von außen verteidigen.

Wir waren lange - vielleicht zu lange - gewöhnt auf die Unterstützung anderer zu zählen. Nunmehr ist es höchste Zeit, die eigene Verantwortung zu erkennen. Es liegt an uns; noch haben wir es in der Hand.

Und lassen sie mich an diesem besonderen Kulturort, diesem genius loci Abtei Marienmünster mit dem Rückenwind von AllerLand und der Vorfreude auf das nun folgende Konzert hinzufügen:

Kultur hat es nicht immer leicht. Kultur hinterfragt, verstört, ist widerspenstig und überschreitet Grenzen.

Ohne Kultur wird es jedoch dunkel in unserem Land.
Kultur ist Grundbedingung unserer Demokratie.

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